Ortswanderung in unserer Gemeinde am 17. 09. 2022

Willendorf kennenlernen….

lautete das Motto des entspannenden Spazierganges zu den „Sehenswürdigkeiten“ der Gemeinde mit kurzen historischen Infos

Organisationsteam: Riki Mader, Barbara Rupprecht, Andreas Schloffer und Robert Kotrc

© Alle Bilder, Fotos und Texte Robert Kotrc und Andreas Schloffer

1.) Gemeindeamt Willendorf – eröffnet 1994. Vorher war das Gemeindeamt unten in der Puchbergerstraße – vis a vis der heutigen Bäckerei, bis vor ein paar Jahren war dort die Post einquartiert.

Die Gemeindefläche von Willendorf beträgt 7,3 Quadratkilometer – wir haben knapp 1.000 Einwohner, sowie rund 200 Menschen mit Zweitwohnsitz.


Unser Ort liegt auf einer Seehöhe von 347 bis 650 Metern – sehr stolz sind wir auf unsere über 35 Gewerbebetriebe – zudem gibt’s im Ort einen Arzt und mit der BILLA-Filiale einen Nahversorger – dazu einen Kindergarten mit einer Tagessbetreuungseinrichtung – dem „Wohlfühlnest“ – für Kinder von 1 bis 3 Jahren – nahe gelegene Schulen und weiters eine sehr gute Verkehrsanbindung durch 2 Bahnhöfe und mehrere Busstationen… das können viele andere Orte in dieser Größe nicht vorweisen! Außerdem gibt’s in Willendorf die einzige Brücke Niederösterreichs, die über eine Bundestraße führt. Grund für den Bau war es – die BILLA-Filiale mit Strom zu versorgen und die Brücke war günstiger, als die Straße aufzugraben.


Stolz sein können wir in Willendorf auf unser Sicherheitszentrum mit Feuerwehr und Polizei. 16 Beamt-innen versehen am Posten ihren Dienst – schon 1914 gabs den ersten Polizeiposten in Willendorf, damals noch in der Kinderheimgasse. Bei der Feuerwehr Willendorf gibt’s aktuell 36 Aktive – und vor kurzem hat man sich mit der Feuerwehr Dörfles zusammengeschlossen, wo es 45 Aktive gibt… d.h. es werden die meisten Übungen und Feierlichkeiten gemeinsam absolviert – unter FF Willendorf-Dörfles. Nicht vergessen wollen wie beim Thema Sicherheit unseren praktischen Arzt – Dr. Schirk – seit Jänner 1994 hier im Gebäude. Den ersten Arzt in Willendorf hat es schon 1878 gegeben.
Hier sehen wir auch eine der beiden Bürger-PV-Anlagen, die Andreas Schloffer zusammen mit 16 weiteren Investoren für die Gemeinde Willendorf organisiert hat.

2.) Blumenwiese
Referent Andreas Schloffer, Beginn im Mai 2021, eine Aktion aus dem Klimabündnis Arbeitskreis. Es wurde mit den Gemeindearbeitern und der Gemeindeleitung eine Reihe von Wiesen und Wegrändern ausgewählt, insgesamt ca. 2000 m2, die nur noch 1-2 Mal im Jahr gemäht werden uns so als Futterwiesen für Bienen und viele andere Insekten dienen und nebenbei auch sehr schön aussehen. Hier hinter dem Gemeindeamt gibt es zusätzlich ein Insektenhotel und die vier verschiedenen Arten eine Wildblumenwiese anzulegen werden exemplarisch hier getestet: a) nur verzichten auf‘s Mähen b) zusätzliches „Einimpfen“ von Wildblumen c) Grasnarbe entfernen und Saat von Wildblumensamen und d) komplette Erneuerung der obersten Schicht nach Vorgaben vom Land NÖ

3.) Historische Gebäude – „Alte Feuerwehr“, Milchsammelstelle und „Familie Bauer“
Die Familie Bauer pflegt und beleuchtet das frühere Wohnhaus an der Hauptstraße jedes Jahr und macht es mit wunderschönem Blumenschmuck zu einem Blickfang!

4.)Wasserrad
Erbaut vom Altbürgermeister Ferdinand Hofer, von der Hofer-Holz-Bau-GmbH hier in Willendorf, zur Erinnerung an die sieben Wasserräder, die Anfang des 20. Jahrhunderts entlang des Frauenbaches diverse Mühlen und Gewerke, gewerblich genutzt, antrieben.
Entlang des Frauenbachs hat es früher angeblich bis zu 19 Mühlen gegeben – betrieben eben durch Wasserräder – deswegen ist dieses auch das „Wahrzeichen“ Willendorfs und in schwarz auf gelbem Hintergrund (für die Sonne) auch der Mittelpunkt auf unserem Gemeindewappen – das im Dezember 1990 gestaltet wurde. Darunter ist der blaue Frauenbach zu sehen – darüber auf grünem Untergrund für die Wälder rund um uns „3 Föhrenzapfen“ – da der Baum ja hier weit verbreitet ist. Die Farbe der Gemeindefarben sind daher – wie jene Niederösterreichs gelb und blau, sowie eben grün.

5.) Alte Gemeinde, Alte Post – Puchberger Straße 4
Das Gebäude wurde rundum saniert und ist heute vermietet.

6.) Hauptplatz: 2019 wurde dieser Platz neu gestaltet und eingeweiht. Die Kosten für die Errichtung eines neues Gebäudes, das eine Trafik oder ein Kaffeehaus beinhaltet sollte, waren zu hoch. Im ersten Jahr betrieb die Bäckerei Krenn hier ihre Eisbox, inzwischen lebt hier ein Mehl-Sp-EIS-Traum auf. Früher stand hier an Ort und Stelle das Gasthaus Sederl – die Besonderheit – es war auch lange Zeit ein Kino! Die Eröffnung desselben erfolgte im Dezember 1921. 1935 wurden erstmals Tonfilme gezeigt. Eingestellt wurde der Kinobetrieb 1972. 2004 wurde das Gesamtobjekt an die Gemeinde Willendorf verkauft – also konnten die Errichtung eines Postverteilerzentrums, eines Kindergartens und die Planung des Hauptplatzes begonnen werden. 2018 wurde der Gasthof abgerissen – das Zuschauerinteresse war sehr groß – benutzte doch die Cobra das Gebäude für die Simulation einer Geiselbefreiung – auch der ORF war damals vor Ort.


7.) Pestsäule: Als in den Jahren 1655-1657 die Pest in Willendorf arg wütete, wurden die noch lebenden Willendorfer hier von den Bürgern der Nachbargemeinden mit Lebensmitteln versorgt. Eine zweite Pestsäule, am Weinweg, zeigt den Hl. Sebastian.


8.) Casino: vor 139 Jahren (1882) schlossen sich mehrere Bauern in Willendorf zu einem „Verein“ zusammen – gemeinsam wurden Gerätschaften angekauft und genutzt – sowie hier untergestellt. Das ist übrigens heute noch so – alle 2 Jahre gibt’s hier am Pfingstmontag einen Frühschoppen.
Kalkofen

9.) 1899 beginnt die Geschichte des Willendorfer Kalkofens, als ein Lambert Flamm um Errichtung eines Weißkalk-Hochofens ansuchte. Der dazugehörige Kalksteinbruch befand sich 200 Meter oberhalb des Kalkofens am Südhang des Zweier. Das Kalkgestein wurde mit zwei gegenläufigen Hunten hinunter zum Kalkofen gebracht, bis zu 10 Personen fanden hier eine Beschäftigung. Der Kalkofen war aber nur 10 Jahre im Betrieb, 1909 war wieder Schluß. Kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde der Kalkofen wieder abgetragen, mit dem wiederverwendbaren Baumaterial wurde andernorts in der Puchbergerstraße ein Nebengebäude errichtet. 2009, also 100 Jahre nach der Schließung, wurde hier in einer Nische des verbliebenen Kalkofens eine vom Künstler Johann Gerhartl geschaffene Statue der Heiligen Barbara geweiht.

10.)Römerweg: schon die Römer kannten Willendorf… Reste der „weißen Mauer“ sind entlang des Römerwegs noch an vielen Stellen zu sehen.
Pfarrzentrum und historische Mauern, Thomaskapelle
Anstelle der Wallfahrtskirche Maria Kirchbüchl stand ursprünglich – erste Hinweise gab es 1443 – ein kleines gotisches Kirchlein. Die Wallfahrtskirche „„Zu unserer lieben Frau auf der Säule“ wurde von 1746-1775 durch die Zisterzienser des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt unter Abt Josef Stübicher fast neu erbaut und ist in einem herrlichen Renaissancestil errichtet. Seinen Ruf als Wallfahrtsort erlangte „Kirchbüchl“ als in den Jahren 1655 bis 1657 die Pest wütete und der Sage nach Willendorf bis auf einen Einwohner ausgestorben war. Die Gläubigen wandten sich an die Hl. Maria um Hilfe. Die Seuche hörte auf und viele Pfarrgemeinden kamen, um sich für die Befreiung von diesem Übel zu bedanken. Bis heute gibt es an jedem 13. des Monats die traditionelle Marienwallfahrt.
Die Thomaskapelle, die heute noch genutzt wird, ist von uralten Mauern umgeben.
Im Pfarrzentrum lebt auch die Theatergruppe Maria Kirchbüchl, die leider seit und wegen Covid-19 immer noch pausiert, derzeit aber – soviel darf ich verraten – wieder auf der Suche nach einem geeigneten Stück ist…

11.) Billa Brücke
Die Billa-Brücke ist die (barrierefreie) Gehverbindung zwischen den beiden durch die B26 getrennten Ortshälften.
Sie wurde 2014 unter großem Zuschauerinteresse errichtet und ist eigentlich das Tragwerk für die Stromzuleitung zur Billa-Filiale.
Von hier gut erkennbar – die Eisenbahn in Willendorf – 1896 wurde die Strecke von Willendorf nach Neunkirchen genehmigt. Die Eröffnung der Lokalbahn erfolgt im Juni 1909 – und zwar durch den späteren Staatskanzler und auch ersten Präsidenten Österreichs nach dem 2. Weltkrieg – Dr. Karl Renner. Dazu später mehr!

12.) Kinderheimgasse
Benannt nach dem einstigen Kinderheim, das sich an der Stelle der Aura-Häuser befunden hat. Das einst aus drei Villen bestehende Kinderheim wurde rund um das Jahr 1905 erbaut. Im 1. Weltkrieg diente eine der Villen als Lazarett, danach wurde es ab 1923 an die Beamten der Berg- und Hüttenwerke „Gute Hoffnung“ verpachtet. 1940 bis 1945 hatte sich die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt das Heim einverleibt. 1945 wurde die Liegenschaft zu Gunsten der Republik Österreich enteignet und ab 26. April 1958 war dann die Volkshilfe Eigentümer. Nachdem es mehrere Jahre leer gestanden war, wurde es 1988 geschliffen. An selber Stelle entstand 1998 die AURA-Siedlung mit insgesamt 25 Wohneinheiten. Einst gab es hier auch einen Swimmingpool!

13.) Bahnhof Rothengrub
Aktuell gibt es die etwa stündlich verkehrende Bahn nach Wr. Neustadt. Früher fuhr hier die Lokalbahn Willendorf auch nach Neunkirchen. Diese wurde am 19. Juni 1909 zum Zwecke des Steinkohlentransportes eröffnet und mangels der erwarteten Frequenz am 30. 4. 1933 wieder geschlossen. Der verbliebene „Alte Bahndamm“ ist heute durch seine schattigen Spazierwege in fast unberührter Natur ein beliebtes Freizeitziel.
Gerhartl Kunstpark
Hinweis: Es gibt ein Sonderheft der Gemeinde zu diesem Thema!

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